Henri Guisan und die «nationale Wiedergeburt»

Militärisch verlangte Adolf Hitler von alt Bundesrat Schulthess bereits 1937, die Schweizer Armee sollte eine Igelstellung einnehmen. So gedachte er, künftig die linke Flanke der deutschen Westfront zu sichern. Guisan musste 1940 seinen geheimen Pakt mit Frankreichs Armee nach deren Niederlage aufgeben und die Schweizer Armee ins Réduit dislozieren. Mit Vichy-Teilfrankreich von Deutschlands Gnaden führte er via Marschall Pétain gute Beziehungen. (Teil 3)

 

Paul Ignaz Vogel

 

                                                                                                            «Das Wunder von Mussolini beweist eindeutig, dass
                                                                                                             der öffentliche Geist eines Landes weitgehend von 
                                                                                                             der Mentalität derjenigen abhängt, die es regieren.»
                                                                                                             Oberstkorpskommandant Henri Guisan                                                                                                                                                     in einem Amtsbericht 1934

 

Zum zentralen Verständnis der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges gehört diese Prämisse: Als Romand aus der französischsprachigen Westschweiz war Henri Guisan 1939 zum General gewählt worden. Es sollte der Schweiz nicht mehr ein Auseinanderfallen drohen, wie es im Ersten Weltkrieg unter General Wille, einem Deutschland-Sympathisanten fast geschehen war. Indessen nahm Guisan 1939-1945 spiegelbildlich eine fast analoge Rolle ein, wie General Wille sie 1914-1918 innehatte: Zu starke Bindung an ein Nachbarland, das im kriegerischen Konflikt zu einem andern Nachbarland stand. Keine Neutralität. 

 

Wo stand denn Guisan mental? 

 

Ein Blick zurück ist nötig für die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wo Henri Guisan stand. Er hatte bereits 1934 seine hohe Bewunderung für den italienischen Diktator Benito Mussolini in einem Amtsbericht an das Eidgenössische Militärdepartement bekundet. 52) Als frankophoner Schweizer empfand Guisan zweifellos Empathie für Italien und Frankreich, zwei Nachbarländern, die aus dem Ersten Weltkrieg als Sieger über Deutschland hervorgegangen waren. Zu Italiens Kriegstraumata gehörten auch die verlustreichen Kriegsschauplätze auf den Alpenkämmen, an der Grenze zum feindlichen Kriegsgebiet Österreich-Ungarn / Deutsches Kaiserreich. Die sinnlosesten Stellungs- und Grabenkämpfe am Isonzo seien hier erwähnt. Diese bittere Erfahrung Italiens spielte in das Konzept des Duce hinein. 53) 

 

Aus dieser Geschichte stellte der Duce sein neues Projekt auf: Nach Ende des Ersten Weltkriegs annektierte Italien 1920 das deutschsprachige Südtirol südlich des Brennerpasses. So wollte er künftig auch eine dauerhafte freie Durchfahrt durch den schweizerischen Alpentunnel des Gotthards erzwingen. Der schweizerische Kanton Tessin sollte Italien zufallen (Irrendentismus). Seine Expansionsgelüste demonstrierte Mussolini brutal direkt, aber auch sehr surrealistisch am San Giacomo-Pass auf 2307 Metern ü.M., an der hochalpinen Grenze zwischen Italien und der Schweiz im Gotthardgebiet. 

 

Ein Wink mit dem Zaunpfahl waren zwei luxuriöse Waggons der CIWL (Compagnie Internationale des Wagons-lits mit Sitz in Bruxelles), ein Schlafwagen und Speisewagen. Ein Mode-Architekt, der in Mailand akkurate Bauten des faschistischen Zeitalters aufgestellt hatte, installierte um 1930 das künftige Ausflugsziel mit den beiden Eisenbahnwagen - auf Betonstelzen, das «Wagristoratore» - für die mondäne Uper-Class im neureichen Mailand. Zufahrt mit dem Auto auf der neu gebauten Strasse zur Grenze Italien-Schweiz. Damit erhöhte der Duce den strategischen Druck auf die Schweiz. Er forderte, dass auch die Nordseite des Passes auf der Schweizer Seite Richtung Bedretto-Tal vom Fusspfad zu einer gut befahrbaren Gebirgsstrasse ausgebaut würde. 

 

Doch das Gegenteil war der Fall. Die Schweizer Armee roch rasch den Braten, dass mit dem Wunsch Italiens der militärische Zugriff nach Airolo und zum Südportal des Gotthardtunnels (nur 14 Kilometer entfernt) ermöglicht werden sollte. Und baute die Nordrampe des San Giacomo-Passes zu einer riesigen Befestigungsanlage aus. Diese war zu Beginn des Zweiten Weltkrieges fertig gestellt. 54)

 

Vom Manöver zum Ernstfall

 

Wir befinden uns immer noch in der spannungsgeladenen Vorkriegszeit: Die Militärmusik spielte. Auf einer flachen Wiese vor den Toren Lausannes im schweizerischen Waadtland wartete am 9. September 1937 ein grosses Publikum auf das Défilée nach den Manövern des 1. Armeekorps, das von Henri Guisan kommandiert wurde. Er traf, hoch zu Ross, zusammen mit dem amtierenden Armeeminister, Bundesrat Rudolf Minger ein, um den Vorbeimarsch abzunehmen. Unter den Gästen befand sich auch Philippe Pétain, Maréchal de France, Sieger von Verdun im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland.

 

Pétain äusserte sich in einer Rede: «Behalten Sie Ihr schnellen Reflexe, um sich an die Neuheit der ersten Kriegshandlungen anzupassen: versichern Sie sich sorgfältig Ihrer Garantien, ohne jemals alles zu riskieren, damit Sie aus den Lektionen der ersten Zeit lernen können, denn der Erfolg wird demjenigen gehören, der sich zuerst anpasst (Übers.).» 55) 

 

Der Erfolg gehöre jenem, der sich zuerst anpasst. Was meinte Pétain damit? Ein halbes Jahr vor diesem militärischen Treffen Guisan-Pétain in Lausanne hatte Adolf Hitler alt Bundesrat Edmund Schulthess am 23. Februar 1937 in der Reichskanzlei zu Berlin empfangen und zu Handen des schweizerischen Aussenministers Guiseppe Motta (einem Tessiner) seine nachhaltigen strategischen Optionen diktiert: Die Schweiz sei da, sie sei notwendig, und Deutschland könne es nur begrüssen, wenn sie ihre Rüstung organisiere und sich instand setze, um sich nach allen Seiten hin zu verteidigen. 56)  

 

Bereits 1936 hatten Bundesrat Rudolf Minger und Oberstkorpskommandant Henri Guisan in einer aussen- und innenpolitischen Lage-Einschätzung die Gefahren, welche aus Frankreich der Schweiz drohten, grösser eingeschätzt als jene, welche von Adolf Hitlers Reichsdeutschland ausgingen. Die Angst vor der «Verseuchung durch den Kommunismus» wurde ausgedrückt. 57) 

 

In Frankreich bestand nach den demokratischen Wahlen ab Juni 1936 die linke Volksfront-Regierung von Léon Blum (aus jüdisch-bürgerlichen Elternhaus) mit erstmals drei Frauen im Kabinett.  

 

Des ungeachtet entwickelte Guisan bis ins Frühjahr 1940 geheim gehaltene Alternativpläne im Falle eines militärischen Angriffs durch Deutschland auf die Schweiz. Alte Manöverfreundschaften Schweiz-Frankreich halfen dabei. Ein Widerspruch mehr, bis zur Übernahme der deutschfreundlichen Réduit-Konzeption durch Guisan. 58)
 

Nationale Weihestunde – mit Ausschlüssen

Nochmals sei die bestens bekannte Geschichte aufgerollt. Denn sie kann auch anders als üblich interpretiert werden. Nach dem Waffenstillstand vom 22. Juni 1940 war die Unterwerfung Frankreichs unter das Dritte Reich unerwartet rasch Tatsache geworden. Bundespräsident Pilet-Golaz Aufruf zu einer «Nationalen Wiedergeburt» blieb nicht ungehört. Am 21. Juli 1940 trafen sich in Luzern widerständische Offiziere. Waibel, Ernst, Allgöwer, Hausammann, Schürch sind bekannte Namen von Offizieren, die dazu gehörten. 

 

Willi Gautschi veröffentlichte 1989 seine Guisan-Biographie, an der er sechs Jahre gearbeitet hatte. Er befragte zum Thema auch Gerhart Schürch, der während des Zweiten Weltkrieges Teil der Offiziersverschwörung im Generalstab gewesen war. Schürch äusserte sich ziemlich abschätzig über den General: «Wir setzten natürlich damals nicht sehr viel Vertrauen in ihn. (Übers).» 59) Kommt dazu, dass der Chef des Fuhrparkes im Generalstab im Rang eines Majors als deutscher Spion enttarnt, später von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. 60) 

 

Was zum nationalen Mythos der Schweiz wurde: Vier Tage nach dem Start der Offiziersverschwörung, am 25. Juli 1940, versammelte Guisan das ihm ergebene Offizierskader, hinunter bis zum Major, im sogenannten Rütlirapport. Es waren inzwischen fünf Wochen vergangen, seitdem die deutsche Wehrmacht den nordöstlichen Teil Frankreichs und die Hauptstadt Paris erobert hatte.

 

Weniger bekannt ist, dass der deutschfreundliche Oberstkorpskommandant Ulrich Wille junior explizit nicht zum Rütlirapport einberufen worden war. 61) Mit seinem Bekenntnis zum Widerstand in einer auf die Alpenfestung reduzierten Rundum-Verteidigung der Schweiz - die Hitler schon 1937 formuliert und erwünscht hatte - erteilte der General, den Umständen entsprechend, jeder weiteren geheimen militärischen Zusammenarbeit mit Frankreich eine Abfuhr. Réduit, réduire, reduzieren… 

 

Buhlen um Gunst des siegreichen Adolf Hitler

 

Nach dem Rütlirapport folgte die Kehrtwende Richtung Deutschland. Guisan forderte umgehend in zwei Briefen ein festes Appeasement der Schweiz gegenüber dem militärisch siegreichen Dritten Reich. Nach Compiègne II war nun Unterwerfung gefragt. Mit einem ersten Schreiben, das er am 14. August an seinen Freund, Bundesrat Rudolf Minger geschickt hatte, mit einem zweiten an den Bundespräsidenten Pilet-Golaz am 9. November 1940. 

 

Guisans Vorschlag war die Pilgerreise (Sondermission) einer Schweizer Delegation nach Berlin, eine aussenpolitische Konkurrenzoffensive zu Ulrich Wille juniors Agitation mit dem Dritten Reich. Der Historiker Daniel Bourgeois wies darauf hin, dass der Anpasser-Plan von Guisan «gewisse Elemente des Vichy-Protektorates in Frankreich» enthielt. In die Parade der möglichen «Vermittler» zwischen der Schweiz und dem siegreichen Dritten Reich gehörte auch alt Bundesrat Musy aus der Romandie. Er machte seine guten Beziehungen zum SS-Chef Heinrich Himmler geltend. Man merke sich diese SS-Konnexion aus der Romandie. 62)  

 

Nach angeblichen «Aktenfunden» (In Charité-sur-Loire? Sehr wahrscheinlich in der Kaserne Dampierre in Dijon, PIV) während des Westfeldzuges der Wehrmacht, mit der die psychologische Kriegsführung des Dritten Reiches einen Trumpf gegen Guisan geltend machen konnte, gab es zwei Fraktionen in den hohen Offiziersrängen der Schweizer Armee: Jene unter Wille, welche Guisan als Oberbefehlshaber, auch mit deutschen Geld, stürzen wollten und jene, welche - wie Guisan – «mit internen Reformen», das heisst mit einem rein schweizerischen Umsturz die Macht des Parlamentes im Sinne eines autoritären Regimes einschränken, ja beseitigen wollten. 63) Guisan nahm in der Öffentlichkeit auch Stellung zugunsten militärischer Hinrichtungen und untersagte fortan allen Armeeangehörigen nicht schriftlich bewilligte Kontakte zu VertreterInnen einer ausländischen Macht. Er wollte dies alleine tun und befürwortete am 3. Mai 1941 auch drakonische innenpolitische Massnahmen zur Anpassung an die Achsenmächte. Einer Gesprächsnotiz zur Unterredung mit dem Bundespräsidenten Ernst Wetter entnehmen wir: "Es braucht ein Zeichen, welches die Situation entspannt. Massnahmen gegen die Presse ergreifen (präventive Zensur) oder Gefängnis. Es ist ein Notfall: Warnung an die Bevölkerung über Radio (und Presse)." 64) 

 

Vereint in Hitlers Neuordnung Europas 

 

Am 10. Juni 1940 hatte das faschistische Italien Frankreich und Grossbritannien den Krieg erklärt und war damit in die Achse mit dem Dritten Reich eingetreten. Der Kriegsgegner von 1914-1918 wurde nun plötzlich zum neuen Waffenbruder. Der Duce hielt fest: «Wir ziehen ins Feld gegen die plutokratischen und reaktionären Demokratien des Westens». Auch diese Stimme dürfte Guisan gehört und einmal mehr verinnerlicht haben.

 

Hitler seinerseits war rachsüchtig und bestand auf erniedrigender Symbolik gegenüber dem besiegten (demokratischen) Frankreich. Die Unterzeichnung des Abkommens sollte am gleichen Ort (Compiègne) und im gleichen Salonwagen der CIWL (Compagnie Internationale des Wagons-Lits) stattfinden, in dem das Ende des Ersten Weltkrieges festgelegt worden war. Gemäß der Kapitulationsurkunde vom 22. Juni 1940 teilte Deutschland als Sieger Frankreich in eine Nord- und eine Südzone. Die Grenze verlief westlich von Genf über Dole, Tours, Mont de Marsan bis an die spanische Grenze. Die Nordzone war von der Wehrmacht besetzt, die Südzone anfänglich eine «zone libre». Im Badekurort Vichy richtete sich der Sitz des «Etat français» ein, eine Diktatur unter Marschall Pétain. 65)

 

Philippe Pétain besprach am 24. Oktober 1940 mit Adolf Hitler in Montoire-sur-le-Loire die künftige Kollaboration. Im Kriegstagebuch der deutschen Wehrmacht lesen wir: «Über den Ausgang der Verhandlungen des Führers mit den französischen Staatsmännern teilt der Chef WFSt in einer anschließenden Besprechung dem General v. Stülpnagel so viel mit, daß sich auf französischer Seite eine weitgehende Bereitwilligkeit gezeigt habe, mit Deutschland bei der künftigen Neuordnung Europas unter deutscher Führung zusammenzuarbeiten.» 66)

 

Minister Stucki, Schweizer Gesandter in Vichy-Frankreich, berichtete anfangs 1942 an Aussenminister Pilet-Golaz über ein Vieraugengespräch mit Marschall Pétain. Dieser hätte das gestürzte demokratische System Frankreichs als "verfault" bezeichnet. Pétain kündigte an, er würde und müsste den schweren Kampf gegen Freimaurerei, Judentum, Nepotismus  und  «Geschäftlimacherei» ebenso rücksichtslos weiterführen, wie gegen den Kommunismus. Pétain, von Stucki zitiert: «Ich muss aber unumwunden zugeben, dass Hitler durch seinen Kampf gegen Russland ganz Europa, und damit auch Frankreich, vor einer ungeheuren Gefahr bewahrt hat. Ich bin deshalb aufrichtig bereit, mit ihm für das neue Europa zu arbeiten, wenn er mir dies auch nur einigermassen ermöglicht.» 

 

Nach dem Motto «Arbeit, Familie, Heimat» richteten die kollaborationswilligen Franzosen einen autoritären Staat ein. Als Führer amtete Philippe Pétain, um den ein riesiger Personenkult aufgebaut wurde. Pierre Laval, ein ehemaliger Jungsozialist wie Mussolini, wurde Regierungschef; er diente Pétain als rechte Hand. Im Rahmen einer «nationalen Revolution (Wiedergeburt)» galten folgende antisemitische Grundsätze: «1. Die Erfahrung zeigt, dass die Juden in jeder Nation einen Block von Blut und Geist bilden, der sich der Assimilation widersetzt; 2. Die in Frankreich lebenden Juden müssen daher als Ausländer betrachtet werden, die nicht assimiliert werden können; 3. Ausnahmen müssen gemacht werden: a) für Juden, die seit mehreren Generationen in Frankreich ansässig sind; b) für einzelne Juden, die Veteranen sind; c) für einzelne Juden, die sich große Verdienste um die Nation erworben haben. 4. Die Kinder aus Ehen zwischen Juden und Franzosen werden als Juden betrachtet; 5. Jede Berufsgruppe wird ihren eigenen "numerus clausus" festlegen.» 67)
 

Die schrecklichen Folgen dieser Massnahmen waren: «Im März 1942 begannen die Deportationen von Juden aus Frankreich in die Vernichtungslager im Osten. Entrechtung und Enteignung von Juden sowie die Arisierung ihres Besitzes waren zuvor im besetzten sowie durch parallele antisemitische Maßnahmen der Vichy-Regierung auch im unbesetzten Teil Frankreichs schneller als in den anderen von Deutschland besetzten west- und nordeuropäischen Ländern vorangeschritten. Bei der Verfolgung und der Deportation von Juden zeigten sich französische Behörden durch Registrierung und Internierung durchaus kooperationsbereit. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in die unbesetzte Südzone Frankreichs am 11. November 1942 als Antwort auf die alliierte Landung in Nordafrika wurden die Deportationen im Süden Frankreichs unter deutscher Leitung forciert. Rund 76.100 aus Frankreich deportierte Juden fielen dem NS-Völkermord zum Opfer.» 68)  


Guisans Arrangement mit den neuen Mächten 

 

Fast auf den Tag genau mit der Einigung zwischen Hitler und Pétain über die Kollaboration konnte der Oberkommandierende der Schweizer Armee, General Guisan am 23. Oktober 1940 ein Verfahren ankündigen: Mit einem Brief an Bundesrat Rudolf Minger berichtete Guisan von seinem Gespräch mit dem neuen Militärattaché in Vichy-Frankreichs Botschaft zu Bern. In Vorbereitung stand die Rückkehr von rund 42'000 Militärpersonen (Franzosen und Polen) nach Zusammenbruch der französischen Armee im Juni 1940 in die Schweiz. Vichy und die deutsche Wehrmacht schienen an einer Lösung des Problems interessiert zu sein. 69)  

 

Die Initiative, welche General Guisan ergriffen hatte, zeigte Erfolg. Hier war er in seinem Element als Militär-Staatsmann im vom Dritten Reich neu geordneten Westeuropa. Die Schweiz lieferte gemäss einem Abkommen zwischen Vichy und Berlin Deutschland den grössten Teil des beim Übertritt des 45. Armeekorps in die Schweiz konfiszierten Materials. Militärpersonen gingen nach Vichy-Frankreich zurück. Ebenso die Pferde. Philippe Pétain dankte am 17. Januar 1941 Bern für «den grosszügige Entscheid des Bundesrates, sich der Umsetzung des Abkommens zwischen der Regierung von Frankreich und der Regierung von Deutschland anzuschliessen» (Übers.). Die Polen mussten bis zum Kriegsende – gemäss Haager Landkriegsordnung - in der Schweiz bleiben, da Reichsdeutschland ihre Einschleusung in die Armee der polnischen Widerstandsregierung in London befürchtete. Bern gehorchte. 70) 

 

Da war auch für General Guisan die Zeit der Freude gekommen. Am 24. April 1941 konnte Marschall Philippe Pétain, der Führer von Vichy-Frankreich, seinen 85. Geburtstag feiern. In seiner Gratulation hielt Guisan fest: «Die Zeichen des treuen Interesses, das Sie meinem Land und seiner Armee entgegenbrachten, indem Sie unsere 1937 Manöver mit Ihrer Anwesenheit beehrten, sind noch in meinem Gedächtnis … Nehmen Sie, Herr Marschall, meine hochachtungsvollsten und herzlichsten Wünsche für sich selbst und für die Zukunft des Landes an, dem Sie Ihre Person zum Geschenk gemacht haben (Übers.)." 71)  

 

Judenverfolgungen sprechen sich herum

 

Seine guten Beziehungen zu Vichy-Frankreich und die daraus resultierenden Erfolge ermunterten General Guisan, heftig in Männer-Intrigen der eidgenössischen Diplomatie einzugreifen. Am 13. Juni 1941 schickte er einen Brief an Bundesrat Pilet-Golaz, den Vorgesetzten von Minister Hans Frölicher, Schweizer Gesandter in Berlin. Guisan kolportierte eine Denunziation. Mit Datum des 8. Juli antwortete der Vorsteher des Eidgenössischen Politischen Departementes (EPD, heute EDA) dem General. Die Vorwürfe an Frölicher wären ihm nicht neu. Sie stammten aus der Küche der Schweizer Sozialisten. Diese «sind, trotz der Erfahrungen und der Lehre aus den Ereignissen, nicht ganz aus ihrem "Volksfront"-Traum erwacht, der sich in einen Alptraum hätte verwandeln können. (Übers.)." In einem beigelegten Zettel hatte Guisan die Behauptung übernommen: «Am 16.10.1940 war Minister Frölicher in Basel an einem Herrenabend. Er äusserte sich dort äussert pessimistisch und defaitistisch über die Lage der Schweiz. Unter anderem sagte er, wenn er ein Jude wäre, würde er die Schweiz auf dem schnellsten Wege verlassen.». Pilet-Golaz bestritt vehement gegenüber Guisan, dass Frölicher an jenem erwähnten Herrenabend in Basel teilgenommen hatte: «Vielleicht wird es verwechselt mit einer Einladung des deutschen Ministers in der Schweiz, die in Basel stattfand, wo Herr Köcher viele Freunde hat (Übers.)."72)  

 

Zu erwähnen sei, dass der reichsdeutsche Gesandte Köcher seine Jugendzeit im schweizerischen Basel verbrachte, woher seine Mutter stammte. Diese kleinen Details sind doch ein zeitgeschichtlicher Hinweis darauf, dass schon ab 1940 in internationalen diplomatischen Kreisen – gleich welcher Nation - die drohende Schoa irgendwie «vorausgesagt» wurde und ein stillschweigender antisemitischer Konsens bereits zu bestehen schien. Appeasement auch hier. 73)  


Die Judenverfolgungen in Frankreich nahmen indessen unter Marschall Philippe Pétain rasant zu. Am 14. September 1942, nur etwa einen Monat nach der Rückweisung von flüchtenden Juden vom schweizerischen Territorium durch Bundesrat von Steiger, musste Minister Hans Stucki von der Schweizer Botschaft in Vichy-Frankreich an seinen Chef Bundesrat Pilet-Golaz berichten. Es ging um seinen Protest beim Regierungschef Pierre Laval gegen die Entführung von jüdischen Kinder aus einem Rotkreuz-Heim durch französische Polizeiorgane. Ein Teil der schweizerischen Bevölkerung war aufgebracht. 74)  

 

Kollaboration der Guisan-Familie mit der SS

 

Mit ihrer betonten freundschaftlichen Anlehnung an Frankreich besass die Familie Guisan aus dem Waadtland ein offensichtliches Defizit an strukturierten Kontakten zu Deutschland. Sie versuchte, dies aus Aktualitätsgründen mit einer allerschlimmsten Variante wett zu machen, durch eine Zusammenarbeit mit der reichdeutschen SS. Verblendet und naiv-eidgenössisch zugleich.

 

Schauen wir ein Jahr zurück, ins 1941. Der jüngere Sohn von General Guisan, Henry Guisan junior, bekleidete in der Armee damals die Funktion eines Oberstleutnants. Bereits hatte er Kontakte zum deutschen Geschäftsmann und SS-Mann Hans Wilhelm Eggen geknüpft. Guisan junior war in der Geschäftsleitung der in Lausanne domizilierten Firma Extroc tätig.  Für die damals stolze Summe von 22 Millionen Franken konnte die Extroc 2'000 Holzbaracken für die deutsche Ostfront verkaufen. Als Provision für diesen Verkauf konnte der Schweizer Generalssohn eine Provision von Fr. 13'000.- kassieren. Es sei unwahrscheinlich, dass die Lausanner Beteiligten am Geschäft nicht wussten, wozu die der SS gelieferten Holzbaracken dienten, denn die Schweiz hatte schon damals Kenntnis über die Existenz von deutschen Konzentrationslagern, wie der Historiker Willi Gautschi in seiner Biographie über General Guisan festhielt. 75)  

 

General Henri Guisan unterband sodann seinem Sohn Henry weitere dubiose Geschäfte, aber bald nutzte er selbst das entstandene, über den Schweizer Geheimdienstmann Roger Masson (ebenfalls ein Waadtländer wie Guisan und Pilet-Golaz) laufende Informationsnetzwerk mit der SS zu seinen eigenen Gunsten. Am 3. März 1943 kam es im Bären Biglen vor den Toren Berns zu einem Treffen des Schweizer Generals Guisan mit SS-General Walter Schellenberg. Nach dem üppigen Nachtessen unterhielt sich Guisan mit Schellenberg vertraulich über zwei Stunden. Der Inhalt dieses Gesprächs wurde nie offiziell bekannt. 76)  


Am 6. April 1943 erteilte Bundesrat Karl Kobelt, Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartementes General Guisan im Namen des Gesamtbundesrates einen schriftlichen Verweis, in dem es unter Anderem hiess: «Der Bundesrat kann es aber nicht verstehen, dass der Oberbefehlshaber der Armee mit hochgestellten offiziellen Stellen eines kriegführenden Staates in Beziehung tritt und Erklärungen abgibt ohne vorher den Bundesrat von dieser Absicht zu orientieren und ihm Gelegenheit zu geben, sich dazu zu äussern.» Der bundesrätliche Beschwerdebrief schliesst mit der bitteren Feststellung: «Und schliesslich könnte das Vertrauen des Volkes in den General erschüttert werden, wenn die Tatsache der geheimnisvollen Begegnung des Generals mit einem Standartenführer der SS weiteren Kreisen bekannt werden sollte.» 77)   

 

In der Chronologie des Holocaust

 

Diplomatisch wurde das faschistische Restfrankreich, von Gnaden Hitlers abhängig, immer mehr isoliert. So hatte Marschall Philippe Pétain das diplomatische Korps auf sein Landgut zum Abendessen eingeladen. Doch nur der deutsche und der Schweizer Gesandte Stucki erschienen. «Wie Sie wissen, hatte ich bis jetzt sehr gute, ja freundschaftlich-herzliche Beziehungen mit dem hiesigen offiziellen diplomatischen Vertreter Deutschlands, Minister Krug von Nidda, und seiner Frau, einer gebürtigen Bernerin,» schrieb Minister Stucki an seinen Chef, Bundesrat Pilet-Golaz am 26. Juni 1943 über ein gespenstisches diplomatisches Detail. Nach dem offiziellen Teil liess sich der Schweizer Gesandte von seinem deutschen Amtskollegen noch zu einem Umtrunk in seinen privaten Gemächern einladen. Die Diskussion wurde angesichts des Alkoholpegels heftig, und Krug von Nidda warf der Schweiz vor: «Deutschschweizer, also Germanen, die die weltgeschichtliche Aufgabe des Germanentums begriffen haben und uns zu helfen suchen, werden als Spione von «germanischen» Militärgerichten zum Tode verurteilt und erschossen, während der Mörder eines Gustloff unbehelligt blieb.» Stucki verliess unter Protest das Haus seines reichsdeutschen Gastgebers und dessen Berner Frau. 78)  

 

Hier sei eingeblendet, was sich damals - ausserhalb der kaschierenden feinen Diplomatie im besetzten Frankreich – abspielte. 10. März 1944: Frankreich / Auschwitz. Ankunft eines Transports mit 1.501 Juden aus dem französischen Lager Drancy. 80 Frauen und 110 Männer werden in das Lager eingewiesen, mehr als 1.300 Menschen ermordet. 30. März 1944: Frankreich / Auschwitz. Aus dem Lager Drancy werden 1.000 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 148 Frauen und 380 Männer als Häftlinge übernommen, die anderen 472 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. 79) 

 

Es ist kaum zu glauben, was General Guisan in jenem Zeitabschnitt an Marschall Pétain, Führer des Etat français, der Juden blutigst verfolgen liess, am 29. März 1944 schreiben konnte: «Vielen Dank für die Zusendung von Band II «Das neue Frankreich». Ich bin Ihnen sehr dankbar, nicht nur für die Gelegenheit, die Sie mir gegeben haben, die Appelle und Botschaften zu lesen, die Sie in tragischen Zeiten der Geschichte Frankreichs ausgesprochen haben, sondern auch für diese getreue Aufzeichnung Ihrer Gedanken: Sie ehrt unsere Armee und berührt ihren Oberbefehlshaber. Möge das neue Jahr Ihrem Land das Ende seiner Prüfungen bringen und bald die Wiedergeburt ermöglichen, die Sie erdacht haben und deren Perspektive Sie in einem so harten und langen Kampf unterstützt» (Übers.). 80) 

 

Wie die deutsche Wehrmacht im besetzten Frankreich wütete, und wie diese «nationale Wiedergeburt» mitunter aussehen konnte, schilderte Minister Walter Stucki in seinem Bericht über ein Massaker an der Zivilbevölkerung von Oradour. Aussenminister Pilet-Golaz erhielt am 15. Juni 1944 ein Schreiben aus der Schweizer Vertretung in Vichy-Frankreich, in dem es hiess: «Viel Schlimmeres noch ereignete sich in einem kleinen Dorfe im Departement Haute-Vienne: Ein deutscher Offizier war einem Anschlag zum Opfer gefallen. Hierauf umzingelten deutsche Truppen das ganze Dorf und zündeten es an. Wer versuchte zu entkommen, wurde niedergeschossen. Die gesamte Einwohnerschaft von 600 Männern, Frauen und Kindern sind alle lebendig verbrannt worden! Diese Geschichte ist so ungeheuerlich, dass ich sie nicht glauben wollte. Sie ist mir gestern von Marschall Pétain und von Präsident Laval persönlich in aller Form bestätigt worden.» 

 

Und Stucki ergänzt zu Handen seines Vorgesetzten Pilet-Golaz in Bern: «Irgendein Kommentar ist überflüssig. Die hiesigen deutschen Diplomaten und Militärs bedauern selbstverständlich dieses Vorkommnis auf das Tiefste und erklären lediglich, es handle sich um ein Regiment, das erst kurz vorher aus Russland zurückgekommen sei und eben die dort angewandten Methoden auch in Frankreich zur Anwendung gebracht habe.» 81) 

 

Die Blutspur erreicht die Täter 


Genug des Mordens? Die Blutspur erreichte unweigerlich die verblendeten Täter.
Schuld und Sühne:
 Benito Mussolini, der Duce, wurde am 28. April 1945 am Comersee von italienischen Widerständlern gefasst und erschossen, zwei Tage später beging Adolf Hitler in der Reichskanzlei zu Berlin Selbstmord. Am 15. August 1945 verurteilte ein Pariser Gericht Marschall Philippe Petain wegen Hochverrat zum Tode, zwei Tage darauf begnadigte ihn General De Gaulle zu lebenslanger Haft.  Pétains rechte Hand, Regierungschef Pierre Laval, versuchte, mit einer Gift-Kapsel sich das Leben zu nehmen, wie zuvor Hitler und Himmler, später auch Göring es getan hatten. Hitler erschoss sich noch gleichzeitig, um sicher zu gehen. Laval musste sich - nach ad-hoc-Entleerung des Magens drei Stunden später - im Garten des Gefängnisses Fresnes am Mittag des 17. Oktober 1945 dem militärischen Erschiessungskommando stellen. 

 

Direkt nach der Wahrnehmung der zahlreichen Menschheitsverbrechen versuchte die zivilisierte Welt, wieder Recht herzustellen und zog Verantwortliche zur Rechenschaft. Es folgten die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess, dann in den Gebieten der vier allierten Besatzungszonen Einzelprozesse gegen schwerst belastete Täter.1962 stand ein Holocaust-Verantwortlicher, Adolf Eichmann, in Israel vor Gericht und wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Es folgten darauf die Frankfurter Auschwitzprozesse, die mit dem jähen Tod des Chefanklägers, Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer 1968 endeten. 82)   

 

Der Schweizerische Bundesrat beauftragte 1962 den Basler Geschichtsprofessor Edgar Bonjour mit einer Studie zur Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Das Land brauchte im Kalten Krieg einen Nationalhelden des Widerstandes gegen totalitäre Systeme. Da bot sich die Figur von General Guisan an. Die 1989 organisierten Diamant-Feiern zum Beginn des Zweiten Weltkrieges (Mobilmachung der Schweizer Armee anno 1939) stiess zwar viele Opfer in Europa und in der Welt vor den Kopf, setzte aber noch kurz vor dem Ende des Kalten Krieges in der Schweiz publikumswirksam ein Zeichen gegen den totalitären Staatssozialismus. Die Aktivdienstgeneration bekam ihre Ehre und den Ruhestand. 

 

Zahlreiche stilisierte Legenden ranken heuzutage um General Guisan. Ebenso bestehen unzählige General Guisan-Gedenkstätten in der Schweiz. Auch repräsentative Denkmäler gibt es für den militärischen Führer, der so sehr antisemitische und rassistische Diktatoren wie Philippe Pétain und Benito Mussolini bewundert hatte. 

 

(Fortsetzung folgt)

 

 

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Siehe auch:


https://www.timesofisrael.com/is-bonne-maman-the-anti-nazi-jam-the-internet-wants-to-think-so/


JTA — The heartwarming story has been hard to miss: A law professor is shopping at his local grocery store when sees an elderly woman struggling to get her favorite jam from a high shelf. Why is it her favorite? “I am a Holocaust survivor,” she says. “During the war, the family that owns the company hid my family in Paris.” 
Tens of thousands of people — at least — have shared the story since it began circulating on social media this weekend. It has prompted countless people to vow to buy only Bonne Maman-brand jam, whose 26 varieties are almost all kosher, in the future.

 

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Quellen:

 

 

52) idem 4) https://dodis.ch/45992

53) https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/kriegsverlauf/isonzo-schlachten.html

54) Helmut Stalder, Zwei provozierende Bahnwagen im Hochgebirge, NZZ, S. 8, 14.12.2020 / Passo di San Giacomo / Artilleriewerk Grandinagia in Wikipedia
55) 
https://dodis.ch/46388

56) siehe 45) in Teil 2) https://dodis.ch/46299

57) Willi Gautschi, General Henri Guisan, Commander-in-Chief of the Swiss Army in World War II, Front Street Press, Rockville Centre, NY 11570, 2003 / Page 32: “In 1936 the French General Lannurien reported to Paris that Federal Councilor Minger had voiced his concern, during a view military manoeuvres, about Switzerland being infested with Bolshevism and right-wing extremism from France. Corps Commander Guisan was reported to share Minger's apprehension, saying that Switzerland was more concerned about danger coming from France than Germany. "We are afraid of you because of a possible infestation with Communism," he was quoted as telling his French host.”

58) https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=sol-003:1994:69::910

59) Willi Gautschi, General Guisan, p.191

60) Willi Gautschi, General Guisan, p.444

61) Willi Gautschi, General Guisan, p.423

62) Willi Gautschi, General Guisan, p.300 ff

63) Willi Gautschi, General Guisan, p.320, und 58)

64) Willi Gautschi, General Guisan, p.445
https://dodis.ch/47219

65) http://www.telezeitung-online.de/Thema_des_Tages_22._Juni_2019_%27Waffenstillstand%27.htm
66) 
https://archive.org/stream/kriegstagebuchde01jacorich#page/130/mode/2up

(S. 130 / 131)

67) https://dodis.ch/47333 

https://www.cairn.info/revue-d-histoire-moderne-et-contemporaine-2004-2-page-141.htm

68) https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/besatzungsregime-in-frankreich.html

69) https://dodis.ch/47158

70) https://dodis.ch/47183

71) https://dodis.ch/47217

72) https://dodis.ch/47224, S. 118

73) https://dodis.ch/11988

74) https://dodis.ch/47420

75) Willi Gautschi, General Guisan, p.453 ff.

76) https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=szg-006:1989:39::664

77) https://dodis.ch/47520

78) https://dodis.ch/47569

79) http://www.holocaust-chronologie.de/chronologie/1944/maerz.html

80) https://dodis.ch/47713

81) https://dodis.ch/47766

82) Verschiedene Lexikon-Standardinformationen, siehe u.a.Wikipedia

 

 

© Paul Ignaz Vogel
(16./18 /22. Februar 2021)