Paul Ignaz Vogel


Ich wurde am 19. Juni 1939 in Riehen bei Basel als fünftes Kind meiner Eltern geboren. Meine Grosseltern väterlichseits waren noch vor dem ersten Weltkrieg aus wirtschaftlichen Gründen vom damals preussischen Niederschlesien (Glatz, heute polnisch, Kłodzko) in die Schweiz emigriert. Der Grossvater war von Beruf Schumacher. Die Grossmutter väterlichseits stammte aus dem böhmischen Sedloňov (Sattel). Ein Teil der Sippe zog weiter in die USA und fand dort sein Brot.

 

Mein Vater Rudolf Vogel konnte sich als Zwanzigjähriger in Basel einbürgern, versuchte darauf recht erfolgreich sein berufliches Emporkommen als Kaufmann der Kohle-Stahlindustrie in Luxemburg, heiratete dort Martha Sprecher aus einem alten Bündnergeschlecht, das sich seit Jahrhunderten in Aesch BL nieder gelassen hatte und gründete somit eine Familie. Meine Eltern kehrten wegen drohender Kriegsgefahr 1934 in die Schweiz nach Basel zurück. Als wenig Bekannter musste mein Vater - als allein Geld erwerbender Elternteil - in seiner Wahlheimat Schweiz beruflich von Unten anfangen. Es war die Zeit der Wirtschaftskrise und der Massenarbeitslosigkeit.

 

Ich wuchs im Basler Gundeldingerquartier hinter dem Bahnhof SBB auf, wo viele Familien ihr Einkommen in niedrigen Chargen der Post und der Bahn fanden. Daselbst Primarschule, sodann Besuch der mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums mit Maturität. Erste Tätigkeit als Lokaljournalist (Ressort Bildende Kunst).

 

Studium generale (Literatur, Geschichte, Soziologie) an den Universitäten Basel, Münster i. Wf. und Westberlin (FU). Ich wurde gegen Ende 1962 in Berlin Zeuge der Kubakrise und der unmittelbaren Gefahr eines atomaren Weltkrieges. Erlebnisse, welche meine pazifistische Haltung und die Einsicht in den alternativlosen Zwang zu Verhandlungen und zur Koexistenz stärkten. 1963 gründete ich die Zeitschrift neutralität in Basel. Das Magazin für Politik und Kultur zog bald eine Reihe von namhaften Schriftstellern und Journalisten an, Heinrich Böll, Rolf Hochhuth, Max Frisch, Peter Bichsel etc... 1969 reichte Friedrich Dürrenmatt mir (und Arthur Villard, Pazifist und Sergius Golowin, Minderheitenforscher) einen Drittel des Kantonalbernischen Literaturpreises weiter, den er im Stadttheater Bern erhalten hatte.

 

Der Kalte Krieg

 

1970 trat ich in die Sozialdemokratische Partei der Schweiz ein, da mir die linksextremen, meines Erachtens Menschen verachtenden, dogmatischen und terroristischen Strömungen in der 68er-Bewegung zusehends missfielen. 

Die schweizerische Sozialdemokratie (SPS) entwickelte sich aber anders, als ich mir erhofft hatte. Parteipräsident Hubacher besuchte 1982 mit seiner Crew den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Noch Mitte 1989 sandte die SPS ein offizielles Glückwunschtelegramm an den rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu, der nur Monate später zusammen mit seiner Frau Elena, nach dem Umsturz zu Weihnachten 1989, hingerichtet werden sollte.

 

Doch schon Mitte 1989 war ich aus der SPS ausgetreten und bin seither parteilos. Die SPS hatte auch per Ende 1974 die neutralität, kritische Schweizer Zeitschrift für Politik und Kultur wegen Nichtbedarf eingestellt. Ich fühlte keine Gründe mehr zu einem Verbleib in dieser politischen Gruppierung, die sich zusehends aus der gesellschaftlichen Gesamtentwicklung ausklinkte, den Kontakt zum Stammpublikum der Benachteiligten verlor und heute zu einer immer bedeutungsloseren Bewegung wird.

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Zur Zeit des Kalten Krieges hatten die Schweizer Behörden gegenüber der Bevölkerung einen streng antikommunistischen Kurs betrieben, mit sogenannter geistiger Landesverteidigung. Indoktrination von Oben war das Motto.

 

1969 gab der damalige Justiz- und Polizeiminister Ludwig von Moos das Zivilverteidigungsbüchlein aus der Feder eines ehemaligen Stalinisten (Geheimdienstmann Albert Bachmann, einst von der kommunistischen Freien Jugend PdA) zu Handen aller Haushalte im Lande heraus. Von Moos hatte in den Dreissiger- und Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts den Obwaldner Volksfreund mit antisemitischen Pamphleten redigiert, woran die Zeitschrift neutralität Ende 1969 erinnerte.

 
Unabhängige PazifistInnen und Lohnforderer wurden im Zivilverteidigungsbüchlein als künftige Landesverräter stigmatisiert. 1989 kam zudem aus, dass während des Kalten Krieges rund 900'000 Personen in der Schweiz polizeilich observiert worden waren (sogenannte Fichenaffäre). Und dies ohne jegliche gesetzliche Grundlage. Eine Geheimarmee P 26 sollte – ebenfalls ohne gesetzliche Grundlage - dem Schweizerischen Bundesrat behilflich sein, im Fall einer Okkupation durch den Warschau Pakt nach Irland zu exilieren und von dort aus den Widerstand zu organisieren.

 

Ich hatte wegen meinem Bemühen nach geistiger Unabhängigkeit beruflich zeitlebens einen sehr schweren Stand und war mehrmals arbeitslos. Gegen Ende meiner beruflichen Tätigkeit fand ich eine Stelle bei der damaligen Gewerkschaft Druck und Papier (heute syndicom). Noch heute bin ich Mitglied dieser Gewerkschaft. Sie ist Teil des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB. 1996 gründete ich den Mediendienst Hälfte / Moitié - zum Thema Arbeit und Erwerbslosigkeit. Dieser stellte sein Erscheinen 2017 ein. Siehe www.haelfte.ch.

 

Von 1964 bis 1988 war ich verheiratet mit Anne-Christine Clottu. Ich bin zweifacher Vater (Juliette und Valentine) und vierfacher Grossvater. Heute betreibe ich noch meine eigene Website www.paul-ignaz-vogel.ch mit publizistischen Beiträgen zu grundsätzlichen Themen.

 

 

Siehe auch: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Ignaz_Vogel